„Schweinfurt ist bunt“ wappnet sich (25.06.10)
Das große Bündnisreffen, so etwas wie die Hauptversammlung des Anti- Nazi Bündnisses „Schweinfurt ist bunt“, hat sich entschieden, bestehen zu bleiben und weiterzuarbeiten. Über 30 Aktive aus den unterschiedlichen Gruppen trafen sich in den neuen Räumen des DGB und die weitere Zusammenarbeit konkretisiert.
Demnach wird einmal jährlich zum großen Bündnistreffen eingeladen, um über Aktivitäten der Rechtsextremen in Nordbayern zu sprechen. Darüber hinaus sollen in unregelmäßigen Abständen inhaltliche Veranstaltungen angeboten werden. Zuständig für die Koordinierung ist die bestehende Vorbereitungsgruppe, die vierteljährlich zusammenkommen will. Als Informationspool wird auch weiterhin die Homepage verwendet und vom DGB gepflegt. Dort werden auch Veranstaltungen von Bündnispartnern veröffentlicht und beworben, die sich mit dem Thema Rechtsradikalismus beschäftigen.
Ein wichtiger Beschluss wurde außerdem einstimmig gefasst. Dem bestehenden „Bündnis der nordbayerischen Bündnisse gegen Rechtsextremismus“ tritt „Schweinfurt ist bunt“ nun offiziell bei, nachdem es seit seiner Gründung im Februar dort mitgearbeitet hat. Ziel dieser nordbayerischen Allianz ist die gegenseitige Unterstützung bei Naziaufmärschen, Kundgebungen oder anderen Aktivitäten von Rechtsextremen. Bei den Aktionen des Bamberger Bündnisses gegen den NPD Bundesparteitag 04./ 05. Juni sprach Frank Firsching beim Bamberger Bürgerfest für „Schweinfurt ist bunt“. Tags davor, am Freitag, unterstützten Jürgen Wilk und einige Aktive die Bamberger bei ihrer Menschenkette um den Tagungsort der NPD.
Aber nicht Bamberg, sondern Schweinfurt stand im Zentrum der Diskussion. Die allgemeine Nachbetrachtung des 1.Mai war allen wichtig. Damit begann das große Bündnistreffen selbstverständlich. Richtig eingestimmt mit einem Filmzusammenschnitt von TV Touring ging es an die Bewertung des Bündnisaktionen. Es wundert nicht, dass die Begeisterung und die Emotionen bei einigen Beiträgen noch immer mitklangen. Völlige Einigkeit herrschte über die großartige Beteiligung von mehr als 10 000 Menschen, mit der niemand rechnete. „Möglich war dies nur weil stets alle Bündnispartner die breite Mobilisierung zum Ziel hatten und niemand spalterisch arbeitete“, so DGB Regionsvorsitzender Frank Firsching. Pfarrerin Eva Loos lobte, wie andere auch, die gute Arbeit der Medien im Vorfeld des 1.Mai, die „großen Anteil am zustande kommen der Menschenmassen hatten“.
Allgemeine Freude und Zufriedenheit auch über den absolut friedlichen Charakter der Bündnisaktionen. „Niemand musste sich fürchten, alle waren sicher.“, sagte Pfarrer Schewe. Kritische Stimmen gab es bezüglich der mangelnden Beteiligung von Migranten an der Demonstration und der Kundgebung. „Leider hatte die ditib- Moschee ihre Leute aus Sicherheitsgründen aufgefordert daheim zu bleiben.“, meinte Linke- Stadtrat Sinan Öztürk. Aus Angst wären viele Migranten zuhause geblieben, war die ungeteilte Feststellung des Bündnisses. Hier gelte es das Gespräch zu suchen, um deren Teilnahme zu verbessern. „Immerhin gibt es über 7000 Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund in Schweinfurt“, stelle Hannes Helferich von der Initiative gegen das Vergessen fest.
Nach vorne geblickt will das Bündnis vor allem gewappnet sein. Frank Firsching: „Wir brauchen unser Bündnis, damit wir auf Knopfdruck reagieren können, sobald Neonazis in Schweinfurt irgendetwas planen.“ Insbesondere weil viele Bündnismitglieder seit geraumer Zeit verstärkte Neonazi- Aktivitäten in Nordbayern wahrnehmen und jederzeit die Gefahr besteht, dass Schweinfurt wieder Ziel der Nazis wird.
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