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Mainpost- Artikel: „Buntes Bündnis setzt Arbeit gegen Nazis fort“ (04.05.10)
Veranstalter machen Schweinfurter Bevölkerung „Riesenkompliment“ – Protest gegen NPD-Parteitag in Bamberg
  
Das bunte Bündnis Schweinfurt hat mit maximal 5000 Demonstranten gegen den braunen Naziaufmarsch gerechnet und zeigte sich am Montag gegenüber den Medien „begeistert“ über das „bundesweit eindrucksvollste Signal gegen Rechts“. So sagte es Bündnisinitiator und DGB-Regionschef Frank Firsching unter Hinweis auf die Millionenstadt Berlin, wo auch nicht mehr als 10 000 Menschen gegen Rechts protestiert hätten.
Das bunte Bündnis Schweinfurt hat mit maximal 5000 Demonstranten gegen den braunen Naziaufmarsch gerechnet und zeigte sich am Montag gegenüber den Medien „begeistert“ über das „bundesweit eindrucksvollste Signal gegen Rechts“. So sagte es Bündnisinitiator und DGB-Regionschef Frank Firsching unter Hinweis auf die Millionenstadt Berlin, wo auch nicht mehr als 10 000 Menschen gegen Rechts protestiert hätten.

Laut Firsching wird das aus 80 Gruppen bestehende bunte Bündnis sich nicht auflösen, sondern seine „Arbeit gegen die Nazis fortsetzen“. Schweinfurt habe den Braunen gezeigt, dass sie hier keine Chancen haben, „Strukturen aufzubauen“. Wenn sie es doch versuchen sollten, „werden wir den Nazis dazu wieder unsere Meinung sagen“, sagte Bündnissprecherin Marietta Eder (SPD).
NPD-Parteitag in Bamberg
Der Nachbarstadt Bamberg, wo am 5. Juni ein Parteitag der NPD geplant ist, will das bunte Schweinfurter Bündnis seine am 1. Mai gemachten Erfahrungen weitergeben. Julia Gock (Jugendkulturhaus Stattbahnhof) hofft, dass sich auch in die Domstadt viele Schweinfurter aufmachen und demonstrieren.
Firsching, der auf rechten Internetseiten persönlich attackiert wurde, sprach den „Bürgern aus Schweinfurt und Umgebung“ für ihre friedliche Teilnahme ein „Riesenkompliment“ aus. Das auch, weil sie gekommen sind und nicht auf die gehört haben, die die Gewaltfreiheit in Zweifel gezogen hätten.
„Das war ergreifend“, sagte für die beiden Kirchen der evangelische Pfarrer der Christuskirche, Martin Schewe, zur unerwarteten Massenbewegung gegen Rechts. Besonderen Respekt zollte der evangelische Geistliche der katholischen Pfarrei St. Kilian, die – als dem Nazi-Kundgebungsort Schuttberg am nächsten gelegene Kirche – die Reden der Rechten durch Glockenläuten zu stören versuchte. Schewe berichtete von Gesprächen mit älteren Schweinfurtern, die ihm gegenüber eingeräumt hätten, dass sie „einmal auf der falschen Seite mitgelaufen sind“. Sie hätten deshalb bewusst die Enkelkinder an die Hand genommenen, um ihnen zu sagen: „Nicht noch einmal.“
Da dürfe man schon mal an der Seite von Linksautonomen demonstrieren. Dieser Seitenhieb von Schewe war an die Schweinfurter CSU adressiert, die dem bunten Bündnis wegen seiner angeblichen Linkslastigkeit nicht beigetreten war. Auch Firsching konnte sich angesichts der friedlichen 10 000 auf den Straßen einen Kommentar Richtung CSU nicht verkneifen, als er der Partei riet, „jetzt in sich zu gehen“. Jürgen Wilk (Bürgeraktion Solidarität statt Rassismus) dankte vor allem auch den Anwohnern am Nazi-Aufmarschweg für ihre mutigen Proteste. Zahlreiche Bürger hatten – wie berichtet – aus ihren Fenstern Plakate und Bettlaken mit Aufschriften wie „Nie mehr Faschismus“ gehängt und mit „Nazi-raus-Rufen“ ihre Meinung ausgedrückt. Eder zeigte sich erschüttert über die vielen jungen Gesichter bei den Rechten. Das zeige eindringlich, dass „Bildung nottut“.
Lob für Polizei
Ausdrücklich lobte das Bündnis die Polizei, die mit ihrer Verzögerungstaktik dazu beigetragen habe, dass die Rechten „nicht auch noch in Würzburg marschiert“ seien. „Schade, dass sie in Schweinfurt laufen konnten“, sagte Gock. Firsching begrüßte allerdings, dass die Rechten im von vielen Ausländern und Arbeitern bewohnten Musikerviertel nicht mehr auftreten durften. Die Rechten hatten nicht genügend Ordner ohne Vorstrafen zur Verfügung, mussten erst „nicht vorbelastete Kameraden“ finden. Deshalb verzögerte sich der Abmarsch um Stunden. Die geplante Schleife durchs Musikerviertel fiel so ins Wasser.
Auch die Stadt Schweinfurt zieht eine positive Bilanz und führt das auch auf ihre Beschränkungen für den Nazi-Aufmarsch und die gute Arbeit der Polizei zurück. OB Sebastian Remelé drückt in einer Pressemitteilung die Hoffnung aus, „dass sich diese Veranstaltung in Schweinfurt nicht wiederholt“.
 
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