Mainpost Artikel: "Jeder soll auf der Straße sein" (30.04.10)
Buntes Bündnis fordert Bürger zur Teilnahme am Demozug auf- Mittlerweile 78 Partnergruppen Auf 78 Gruppen ist das bunte Aktionsbündnis gegen den Naziaufmarsch angewachsen. Über 900 Bürger setzten bis Donnerstag auf www.schweinfurt-ist-bunt.de mit „ihrem Namen ein Signal gegen Rechtsextremismus“. Das sagte DGB-Regionschef und Hauptorganisator Frank Firsching am Donnerstag vor den Medien. Schweinfurt habe erkannt, „dass es Ernst wird“.
Stellvertretend riefen neben Firsching für die Gewerkschaften fünf weitere Bündnis-Vertreter alle Bürger zur Teilnahme an der friedlichen bunten Demo mit Kundgebung am Zeughaus auf. Der Zug startet am 1. Mai um 10 Uhr in den Wehranlagen und führt durch die Innenstadt.
„Begeistert sind wir nicht“ über die Zulassung des braunen Aufmarsches durch die Gerichte, sagte Firsching. Ein Verbot wäre angesichts deren menschenverachtender Ideologie angebracht gewesen. Ihn erstaune, was noch unter Meinungsfreiheit falle. Kritisch äußerte sich Firsching auch zur Pressekonferenz von Stadt und Polizei vom Mittwoch wegen der dabei vermittelten Botschaft an die Bürger, besser daheim zu bleiben. Damit sich die Zeit vor 1945 nicht wiederhole, müssten ganz im Gegenteil alle auf die Straße gehen, sich „nicht im Keller einschließen“. Dem städtischen Sicherheitsreferenten Jürgen Montag warf er wegen Interview-Äußerungen sogar vor, den Missbrauch des 1. Mai durch Nazis zu verharmlosen.
Auch Jürgen Wilk (Bürgeraktion Solidarität statt Rassismus) meinte, dass „Stillhalten und Wegducken nichts bringt.“ Adolf Hitler sei in Schweinfurt damals unfreundlich empfangen worden. Schweinfurt solle wieder zeigen, dass „Nazis hier unerwünscht sind“. Die Polizei forderte er auf, Straftaten der Nazis wie verbotene Lieder auch anzuzeigen. Seine Gruppe veranstaltet am 1. Mai ab 11 Uhr am Grünen Markt eine „Café International“.
Julia Gock (Antifaschisten, Stattbahnhof) forderte die Bürger zu Zivilcourage auf. Schweinfurt sei von Rechten bisher relativ verschont worden, eine große Zahl friedlicher Demonstranten helfe dazu, „dass das so bleibt“.
An Infoständen hätten viele Migranten ihre Enttäuschung über die Gerichte zum Ausdruck gebracht, berichtete die Vorsitzende des Integrationsbeirates, Ayfer Fuchs. Sie setzt auf eine rege Teilnahme vieler Ausländer und Migranten, die sich längst als Schweinfurter fühlten. Marietta Eder (SPD) verlangte, das Thema Rechtsextremismus nach dem 1. Mai nicht ad acta zu legen.
„Jede und Jeder sollte an diesem Tag auf der Straße sein“, sagte Christuskirchenpfarrer Martin Schewe namens katholischer und evangelischer Kirche. „Wir sollten als Christen nicht noch einmal Schuld auf uns laden“, wie das die Kirchen vor 80 Jahren getan hätten, sagte er. Wenn die Neonazis hier gewönnen, weil „wir vor Angst zu Hause bleiben oder weil uns die Bündnispartner zu bunt sind“, seien die Menschen umsonst gestorben, deren Bekenntnis sie umgebracht habe. Als Beispiel nannte er Dietrich Bonhoeffer. Er sei froh, dass ein breites Bündnis „an einem Strang zieht, um mehr zu sein, als die andere Seite“. Die Pfarrer werden beim Demozug als solche erkennbar sein, so Schewe.
Viele Schülervertretungen haben an ihren Schulen zur Teilnahme am Demozug aufgerufen. Es wird mit „einigen hundert Schülern“ gerechnet, die im Block laufen wollen. Auch die Eishockeyvereine ERV Schweinfurt, Eisbären Würzburg, Wölfe Kissingen und Hawks Haßfurt sagen Nein zum braunen Zug. Sie rufen Fans und Mitglieder auf, mit den Vereinsfahnen und übergestreiften Trikots auf die Straße zu gehen.
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