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Größter Naziaufmarsch Deutschlands am 1. Mai in Schweinfurt erwartet (16.04.10)
Gastreferent Markus Müller von der bayerischen Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus brachte es am Ende seiner Ausführungen auf den Punkt: „Meiner Einschätzung zufolge wird am 1. Mai 2010 Deutschlands größter Naziaufmarsch in Schweinfurt stattfinden. Ich gehe von 1500 plus X Nazis aus, die nach Schweinfurt kommen werden.“
Auf Einladung des örtlichen Bündnisses gegen den Naziaufmarsch, referierte Müller vor gut 50 Interessierten im Cafe Theorema zum Thema „Neonazis in Nordbayern“. Vorwiegend beschäftigte sich der Experte der bayerischen Naziszene mit deren Strukturen und ihrem inhaltlichen Zerwürfnis.
Laut Müller müsse man in der bayerischen Nazi- Szene zwischen der Partei NPD und den sogenannten „Freien Kräften“ wie Kameradschaften oder anderen losen Zusammenschlüssen unterscheiden. Eine Art Dachorganisation der „freien Kräfte“ sei das „freie Netz Süd“, das den Aufmarsch in Schweinfurt angemeldet hat. Dieses Netz existiere erst seit dem Jahr 2008. Zuvor hätte es einen Bruch in der NPD gegeben. Wesentlichen Leuten sei der politische Kurs der NPD zu zahm, zu wenig radikal gewesen. Die NPD hatte sich versucht als „soziale Heimatpartei“ zu positionieren. Nach einem misslungenen Personalwechsel im bayerischen NPD Landesverband hätte sich die Hardliner von der Partei abgespalten und erhielten von dort mehr und mehr Zulauf. Sie nennen sich relativ unstrukturiert „Nationale Sozialisten“ oder beispielsweise „Widerstand Cham“.
 
Mit diesen Hardlinern hätte man es am 1. Mai in Schweinfurt zu tun. Während die NPD in Bayern über sieben Bezirke und 37 Kreisverbände gegliedert sei, seien die Strukturen des freien Netzes Süd unklarer. Auf deren Homepage seien 16 zugehörige Gruppen auszumachen. Zwei davon in Unterfranken. Eine im Bereich Würzburg/ Main- Spessart, die andere in Schweinfurt/ Haßberge. Auf Nachfrage schätzte Müller die Gruppenstärke in Schweinfurt/ Haßberge mit „unter zehn“ ein.
 
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Bürger nach dem Verbot des Aufzuges durch die Stadt Schweinfurt glauben, der Aufmarsch fände nicht statt. „Weit gefehlt“, sagte Stadträtin Kathi Petersen. Die Organisatoren hätten Rechtsmittel angekündigt. „Nach der aktuellen Rechtssprechung werden die Nazis spätestens am Oberverwaltungsgericht ihren Aufzug genehmigt bekommen.“, bestätigte Markus Müller. Er führte weiter aus, dass 84 freie Gruppen und 30 Parteigliedrungen der NPD nach Schweinfurt aufgerufen hätten. Darunter auch gewaltbereite Gruppierungen aus Ostdeutschland und Ungarn.
Neben Schweinfurt/ Würzburg werde in Nazikreisen auch noch eine Kundgebung in Berlin beworben. Allerdings in wesentlich geringerem Umfang. „Schweinfurt wird wohl an diesem Tag die größte Nazikundgebung in Deutschland sein“, sagte Müller.

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