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Mainpost- Artikel: Rechtsextreme mobilisieren für Schweinfurt (15.04.10)
Unbekannte bekleben Türen von DGB, IGM und Linken mit rechten Parolen – Aufrufe demokratischer Gruppen
"So wie es aussieht, gibt es also auch in Schweinfurt Nazis": So kommentiert das Bündnis "Schweinfurt ist bunt" gegen den Aufmarsch des "nationalen und sozialen Aktionsbündnisses" am 1. Mai auf seiner Internetseite eine nächtliche Aktion Rechtsextremer in Schweinfurt.
An den Türen des alten DGB-Hauses, der IG Metall, des Linken-Büros und zuletzt auch am Jugendkulturhaus Stattbahnhof waren Werbeflyer für den vom „Freien Netz Süd“ geplanten, von der Stadt aber verbotenen Protestmarsch der Rechten angeklebt.

Bei den Linken kam noch hinzu, dass die Unbekannten die Scheiben mit Erbrochenem verschmutzt haben. Schon am Wochenende waren die Toiletten der Rastanlagen Maibacher Höhe und Lauertal an der A 71 beschmiert und rechtsradikale Aufkleber angebracht worden.
Auf ihrer Homepage beschäftigen sich die Rechten damit und mit dem Verbot durch die Stadt, das „erwartungsgemäß“ ausgesprochen worden sei. „Selbstverständlich“ werde gerichtlich dagegen vorgegangen, schreibt das Freie Netz Süd im Internet. Erinnert wird, dass auch Weiden letztes Jahr ein Verbot erteilte, die rechte Demo dort am 1. Mai dennoch stattgefunden habe.

Noch bedenklicher sind die offenen Attacken auf DGB-Regionschef und Hauptinitiator des demokratischen Bunten-Bündnisses, Frank Firsching. In ihren rechten Foren wird ein Linkhinweis auf das Profil Firschings gegeben und den rechten Gesinnungsfreunden dreist und unverhohlen mitgeteilt, dass sie Fotoshootings und „Anfassen bitte vorher absprechen“ sollen. Das demokratische Bündnis beschäftigte sich bei seinem letzten Treffen mit dieser auch in anderen Orten praktizierten Masche der Rechten, sich einen Verantwortlichen als Zielscheibe für persönliche Verunglimpfungen und offene Bedrohung auszusuchen.
Ungeachtet dessen häufen sich die öffentlichen Aufrufe der im Bündnis für Demokratie und Toleranz verbundenen mittlerweile über 60 Gruppen. Die Bündnisgrünen verteilen derzeit Flugblätter mit dem Appell an Schweinfurt, sich „dem braunen Mob in den Weg zu stellen“. Sie fordern zur Teilnahme am bunten Demonstrationszug auf, um „unsere Städte nie wieder den Anhängern des verbrecherischen Naziregimes zu überlassen“.

Die Initiative gegen das Vergessen“ fordert zu einem „Einmischen“ am 1. Mai auf, wo Neufaschisten 65 Jahre nach dem 1000-jährigen Reich „einen Klamauk“ veranstalten wollten. Sie erinnert an Kriegstreiberei, Gleichschaltung der Presse, Verheerung der Gehirne, Einsatz von Arbeitssklaven, Folterung missliebiger Kritiker und Deportationen in den Tod. Die Initiative bietet am 17. April (15 Uhr, Treffpunkt Kreuzung Uferstraße/Obere Weiden) eine weitere Führung an, dieses Mal geht es um das Schicksal der Zwangsarbeiter (Anmeldung Tel. 0 97 21/ 7 04 20).

In den Großbetrieben animieren Betriebsräte und Vertrauensleute der Gewerkschaften zur Teilnahme am Zug der demokratischen Kräfte. Die neuen Rechten stünden in der menschenfeindlichen Tradition der Nazidiktatur, die den traditionellen Maifeiertag der Arbeiterbewegung missbraucht und dafür Krieg, Tod, Verzweiflung und Vernichtung gebracht habe, heißt es in Flyern. Gleichzeitig wird Geld gesammelt für Anzeigen in den Medien, die Appelle zum Mitmachen bei „Schweinfurt bleibt bunt“ zum Inhalt haben.

Kundgebung am Zeughausplatz

Die Demonstration „Gegen den Naziaufmarsch“ steht fest. Der Zug startet am 1. Mai um 10 Uhr in der Wehr. Über die Maxbrücke durch die Innenstadt geht es zum Zeughaus, wo um 11.30 Uhr die Kundgebung „Schweinfurt ist bunt, nicht braun“ stattfindet. Redner sind der KZ-Überlebende Ernst Grube, der neue OB Sebastian Remelé, Frank Firsching, der evangelische Dekan Oliver Bruckmann und die Vorsitzende des Integrationsbeirates Ayfer Fuchs.
Am Zeughaus findet danach das „Fest der Demokratie und Toleranz“ statt. Angemeldet sind im Stadtgebiet weitere zwölf Veranstaltungen mit Aktionen von DGB, SPD, KDA, SJR, evangelischem Dekanat und dem türkischen Verein Ditib. Gefeiert wird in der Stadthalle das traditionelle Kinderfest.
Der geplante Aufmarsch-Treffpunkt der Rechten liegt am Schuttberg, der wohl bewusst ausgewählt wurde, sind doch dort Trümmer der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs aufgehäuft. Die Rechtsextremen haben sich für die Zeit zwischen 12 und 20 Uhr angemeldet. In Würzburg erfolgte die Anmeldung für 15 bis 21 Uhr, was darauf schließen lässt, dass auch dort ein brauner Aufmarsch stattfinden könnte. Aber: Mobilisiert wird derzeit nur für Schweinfurt. Am Donnerstag um 19 Uhr findet im Theorema ein Vortrag über die „Neonazi-Strukturen in Nordbayern“ statt.
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